Entstehung von Name und Gebiet
Der Kuenringer Leuthold I. (1260 – 1312) als „Oberster Schenk in Österreich“ bezeichnete das Kernstück seiner Besitzungen, welches der heutigen Region entspricht, als „Vinea Wachau Nobilis Districtus“. Dies entspricht dem heutigen, gesetzlich abgegrenzten Weinbaugebiet „Wachau“ der Vereinigung „Vinea Wachau“.
Steinzeit unter Venus
Funde aus der Steinzeit – und dabei vorrangig die Venusfiguren – bezeugen, dass die Region der Wachau bereits in der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum), also vor über 30.000 Jahren besiedelt war. Die Bewohner waren somit Neandertaler in der Phase vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit (genannt „Gravettien“).
Obwohl die „Venus von Willendorf“ wohl die bekannteste geworden ist, gibt es eine Reihe von ähnlichen Figuren, zB die „Venus vom Galgenberg“, welche den bisher ältesten derartigen Fund darstellt.
Die Skulpturen bestehen aus Stein (zB Kalkstein, Speckstein) und sind nur etwa 10 cm groß.
Ihre Bedeutung wird heute so ausgelegt, dass man von einer einheitlichen religiösen Vorstellung ausgeht, in der großer Mangel herrschte und die Geburtenrate zurückging. Dadurch wurde das heutige Mitteleuropa vor 20.000 Jahren vom „Homo sapiens“ verlassen und erst Jahrtausende später von einer kleinwüchsigeren Bevölkerung besiedelt. Die Venusfiguren waren verschwunden und durch kulturelle Äußerungen der Höhlenbewohner abgelöst.
Die „Venus von Willendorf“ stellt eine nackte, symmetrische Frauenfigur dar, deren Körperbau eine fettleibige Frau mittleren Alters abbildet. Körperformen sind stark ausgeprägt, gezackte Armringe und Farbspuren deuten Schmuckeffekte an.
Dagegen stellt die „Venus vom Galgenberg“ eine schlanke Gestalt auf, die eine tänzerische Haltung aufweist. Diesem Umstand verdankt sie ihren Spitznamen „Fanny – die tanzende Venus vom Galgenberg“.
Kopien der Statuen sind in örtlichen Museen ausgestellt, die Originale kann man im Wiener Naturhistorischen Museum sehen.
Neben den genannten Figuren wurden auch Werkzeuge und andere Gebrauchsgegenstände gefunden, die über das Leben der Besiedler Aufschluss geben.
Kuenringer und Kreuzzüge
Die Kuenringer waren ein Geschlecht, welches als Ministeriale (ritterlich lebende Dienstleute mit eigener und delegierter Herrschaft sowie politischem Einfluss) im 11. Jahrhundert aus deutschen Landen in das heutige Niederösterreich kam. Sie erwarben in der folgenden Zeit auch in der Wachau Besitzungen und waren wesentlich an der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Region beteiligt.
Hadmar I. gründete unter anderem im 12. Jahrhundert das Stift Zwettl und erbaute die Stammburg Kühnring im Waldviertel.
Aus dieser Zeit stammen auch die Burgen Aggstein und Dürnstein, welche heute nur mehr als Ruinen von der turbulenten Ritterzeit erhalten sind. Die Kuenringer dieser Zeit galten als Raubritter, die von „Mautzahlungen“ der Schifffahrt lebten. – Die Vertreter des Geschlechtes waren demnach keinesfalls „nur“ ritterliche Männer im heutigen Sinn des Begriffes. Sie wussten auf sehr unmissverständliche Art und Weise ihre Interessen durchzusetzen. Mehr dazu im kulturellen Kapitel bei den Texten über die genannten Burgen.
Allgemein bekannt ist auch, dass König Richard Löwenherz unter den Kuenringern in der Burg Dürnstein gefangen gehalten und nur gegen die Bezahlung eines hohen Lösegeldes seine Heimreise vom 3. Kreuzzug fortsetzen konnte.
Die Kuenringer starben nach militärischen Niederlagen 1594 aus. Als deren Erben gelten die Liechtensteiner.
Ansiedlung
Die ursprüngliche Besiedlung erfolgte wie erwähnt durch die Neandertaler in der Steinzeit. Im Zuge der Völkerwanderungen Europas wechselten die Bewohner wie in vielen anderen Regionen unseres Landes. Kriegsheere zogen durch und hinterließen ihre Spuren bei der ansässigen Bevölkerung.
Aufgrund des guten Ertrages und der hohen Qualität des Weines besaßen viele (auch weit entfernte) Klöster eigene Weingärten in der Wachau.
Ende des 19. Jahrhunderts zog es durch die Entdeckung der Landschaft zuerst Malerklassen der Wiener Kunstakademie in die Wachau. Einen weiteren Aufschwung brachte die Entdeckung als Ausflugsziel durch die Wiener, dies vor allem in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Der Tourismus blühte auf, was durch österreichische Filmproduktionen („Der Hofrat Geiger“und „Mariandl“) dokumentiert wird und ein Stück Zeitgeschichte darstellt.
Die angesiedelte Bevölkerung lebte stets mit und durch ihre „Besucher“ – seien es die Ritter, Klosterführer oder Touristen. Die Einheimischen machten und machen sich die kulturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zu Nutze und bieten dafür Gastlichkeit, Erlebnis und Romantik.
Die Geschichte der Wachau
Hier wollen wir aufzeigen, dass die Region eine jahrtausendalte Geschichte aufweist. Sie reicht bis in die Steinzeit zurück, woraus uns lediglich Funde über die Menschen dieser Zeit ein wenig Aufschluss geben.
Viel vorstellungsreicher ist hingegen die Epoche des Mittelalters mit ihrem Rittertum, dessen Zeugen in Form von Burgen und Ruinen es zahlreiche in der Wachau gibt. Um einige ranken sich nebst der Geschichte auch Sagen, welche wir hier näher bringen wollen. Der Besuch der alten Mauern ist nicht nur interessant, er gibt auch Gelegenheit, der Fantasie freien Lauf zu lassen.
Doch auch der Religion ist durch die Klöster ein Platz eingeräumt. Von Melk bis Krems finden sich entlang der Donau einige derartige Bauten. Imposant ragen sie – nicht weniger als die Burgen und Ruinen – über die Besiedlung heraus, weithin sichtbar.
So kann man sich als Ritter oder Burgfräulein fühlen und dabei, hoch oben auf den Felsen stehend, auf die Donau blicken. Ebenso bietet sich die Möglichkeit, als Mönch durch die Räume der Klöster zu wandeln.
Bekanntlich ist der Fantasie keine Grenze gesetzt – lass Dich entführen in längst vergangene Zeiten!
10.04.09/Gabi