- Kulturgeschichte
- Weinanbau
- Marillen
- Burgen
- Radfahren
- Bahn
- Schiff
- Stiftsklöster
1. Kulturgeschichte
Wie in der Rubrik „Geschichte“ zu lesen ist, wurde das Gebiet bereit vor ca. 30.000 Jahren besiedelt und stammen eine Reihe von Funden aus dieser Zeit.
Danach besiedelten Angehörige verschiedenster Völkerstämme die Region. Im Mittelalter, also in der Hochblüte des Rittertums, bezeichnete der Kuenringer Leuthold I. in seiner Funktion als „Oberster Schenk in Österreich“ im 12./13. Jahrhundert das Herzstück seiner Besitztümer als „Vinea Wachau Nobilis Districtus“.
Ebenso machten sich Klöster durch Besitzungen das Gebiet zu Nutze und legten vielerorts Weingärten an, die von der Bevölkerung bewirtschaftet wurden. Eine optimale Voraussetzung für den Weinbau ist sicher die hügelige Lage, bei der sich die terrassenförmige Anlage der Weingärten anbietet. Das dadurch entstandene Bild der Landschaft prägt die Region Wachau ebenso wie die Marillenbäume und die kulturellen Bauwerke.
In der Folge gehen wir auf Weinanbau und Marillen näher ein.
2. Weinanbau
Bereits während der Herrschaft der Römer erfährt die Region eine erste Blütezeit.
Das Gebiet wurde bereits vor vielen Jahrhunderten zum Weinanbau genutzt. So ist die Wachau erstmals 803 n.Ch. in einer Urkunde der Karolinger erwähnt.
(Karolinger ist der Name des Herrschergeschlechts der westgermanischen
Franken, das ab 751 n.Ch. im Frankenreich die Königswürde inne hatte. Sein berühmtester Vertreter war Karl der Große, von dem die späteren karolingischen Herrscher abstammten. Quelle:Wikipedia)
Der Weinanbau hat somit Tradition in der Wachau und haben sich ab 1983 eine Vielzahl der gegenwärtigen Weinbauern in der Vereinigung „Vinea Wachau“ eingetragen. Die Mitglieder erklären verbindlich, der Wachauer Weinkultur zu dienen und ausschließlich Wein aus der Wachau anzubieten. Daneben sind die Produkte der einzelnen Kategorien strengen Kontrollmaßnahmen unterworfen, sofern ihre Produzenten Mitglieder der Vereinigung angehören.
Die Einzigartigkeit der Weissweine aus der Wachau wird von der Vereinigung durch die Klassifizierung in drei Kategorien betont:
- Steinfeder
- Federspiel
- Smaragd
Steinfeder ist der Name der leichten, duftigen Weine der Wachau. Der Name stammt vom federleichten Gras der steilen Weinberge (Steinfeder = Stipa pinnata). Die Trauben müssen ein Mostgewicht von mindestens 15° KMW
(= Klosterneuburger Mostwaage = Senkspindel = misst den Zuckergehalt im Most/zB Traubensaft = Maßeinheit in Gewichtsprozent) aufweisen.
Der Alkoholgehalt dieser Weinsorte darf max. 11,0 Vol% betragen und ist damit niedrig. Obwohl der Alkoholgehalt der Wachauer Weine niedrig ist, was aus der natürlichen Klimatik und Bodenbeschaffenheit resultiert, sind die einzelnen Sorten in ihrem Charme und ihrem Nuancenreichtum sehr anspruchsvoll.
Weiters werden Weine im Kabinettbereich gekeltert, die Federspiel (= der alte Brauch des Zurückholens des Beizvogels bei der Falkenjagt; diese war gerade in der Wachau in früherer Zeit übliche herrschaftliche Jagdform) heißen.
Sie weisen ein Mostgewicht ab 17° KMW und einen Alkoholgehalt zwischen 11,5 und 12,5 Vol% auf. Wie bei der Steinfeder werden die Moste immer klassisch trocken durchgegoren. Der Geschmack zeichnet sich durch einen fruchtig-charmanten Charakter aus.
Für die besten und wertvollsten Weine der Wachau wurde 1986 erstmals der Name Smaragd verwendet. Die Trauben reifen nur an den sonnigsten Rieden und müssen ein Mindestmostgewicht von 18,5 KMW aufweisen. Ebenso wie die Weinstöcke fühlen sich die Smaragdeidechsen in den Wachauer Weinbergterrassen besonders wohl, wo sie sich an schönen Tagen in den Weinbergen sonnen. Damit wurden sie zum Symbol für Wachauer Weine mit einem Alkoholgehalt ab 12,5 Vol%. Die Trauben werden bis zum natürlichen Gärstillstand vergoren und sind immer trocken. Verschlossen werden die Flaschen mit langen Korken (mind. 49 mm), die den Jahrgangsbrand tragen. Damit sollen sie auch nach 25 oder mehr Jahren Freude bereiten können.
Der Smaragd darf erst ab 1. Mai des auf die Lese folgenden Jahres verkauft werden und stellt damit eine besondere Spezialität dar, die deshalb an noch strengere Kontrollmaßnahmen gebunden ist, als die anderen Sorten.
3. Marillen
Neben dem Weinanbau stellt die Kultivierung der Obstwirtschaft einen bedeutenden Teil der landwirtschaftlichen sowie tourismusbezogenen Wirtschaft der Wachau dar.
Beim Obstanbau fällt der Marille (Aprikose) der größte Anteil zu und ist die Herkunftsbezeichnung „Wachauer Marille“ innerhalb der EU geschützt.
Über 200 Marillenbauern haben sich im Verein „Wachauer Marille“ organisiert und garantieren dadurch die Herkunft sowie die einzigartige Aroma- und Geschmacksqualtität.
Das Marillenzistel ist der traditionelle Korb der Wachauer Marillenbauern, in dem die einzigartigen Früchte gesammelt werden. Durch die nach unten spitzkegelig zulaufende Form werden Druckstellen verhindert. (siehe Bild oben)
Nicht nur die Frucht, sondern auch vielfältige Produkte aus der Frucht stammend werden vermarktet. Die Marillenmarmelade (Aprikosenkonfitüre) ist durch ihren hohen Fruchtanteil eine Spezialität. Daneben gibt es aber auch Hochprozentiges wie Marillenlikör und Marillenbrand zu genießen. Auch in der süßen Küche dürfen die Früchte in der Zeit der Marillenreife nicht fehlen, ebenso wie in der Eistüte.
Kulturgeschichte soll aber auch noch viel mehr sein als das, was der Mensch an Ertragreichem zustande brachte. Vielmehr ranken sich Sagen und Legenden um den Landstrich, und auch diesem Aspekt soll Rechnung getragen werden. Nebst Geschichtlichem und Aktuellem sind der Fantasie durch Legenden und Sagen keine Grenzen gesetzt und lassen uns Gedanken schweifen in die Vergangenheit dieser berühmten Region.
4. Burgen
Burgruine Aggstein
Am rechten Donauufer prangt die Ruine in 300 Metern Höhe, das Gemeindegebiet Schönbühel-Aggsbach überragend.
Vermutlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts von Manegold III. von Acchispach (Aggsbach) errichtet, kam die Burg 1181 in den Besitz der Kuenringer. Als letzter seiner Familie besaß Leutold II. von 1348 bis 1355 die Burg, danach verfiel sie zunehmend.
1429 belehnte Herzog Albrecht I. die Burg mit seinem Kammermeister Jörg Schreck von Wald. Dieser übernahm die Pflicht, die Burg wieder aufzubauen und 1438 das Mautrecht für flussaufwärts fahrende Schiffe zu übernehmen. Dafür musste er die Treppelwege, auf denen die Schiffe flussaufwärts gezogen wurden, erhalten. Ein damals errichtetes Mauthaus wird heute als Forsthaus genützt. In der Folge entwickelte er sich jedoch zum Raubritter, der die Schiffe auf der Donau ausraubte. Daher rührt auch seine Bezeichnung „Schreckenwald“, die ihm aufgrund seiner Grausamkeit von der Bevölkerung zugedacht wurde.
Ab 1463 wurde die Burg von einem weiteren Raubritter, Georg von Stain, belagert. Er besiegte Scheck von Wald und übernahm die Burg als Pfand, weil ihm der Herzog Geld schuldete. Ulrich Freiherr von Graveneck beherrschte die Burg 1476 bis 1477 und wurde danach vertrieben. Erst 1477 übernahm Herzog Leopold III. die Burg selbst und ließ sie durch Pächter und Pfleger verwalten. 1529 konnte die Burg von einer Gruppe Osmanen im Zuge der 1. Türkenbelagerung Wiens niedergebrannt werden. Der neuerliche Aufbau integrierte Schießscharten und eine Verteidigung mit Hilfe von Artillerie.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erwarb die Witwe des letzten Pächters die Burg, die nach ihrem Tod stark vernachlässigt wurde. 1930 wechselte die Ruine – ebenso wie das Gut Schönbühel – in den Besitz von Graf Oswald Seilern-Aspang. Heute stellt sie mit jährlich etwa 55.000 Besuchern eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Niederösterreich dar.
Baugeschichte
Nur mehr ganz wenige Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert, zu welcher Zeit die Kuenringer die Burg erbauten. 1427 galt sie als zerstört und wurde – wie erwähnt – erst im 15. Jahrhundert von der Bevölkerung wieder errichtet. Heute noch erhaltene Teile wie der 3-stöckige Frauenturm, der Palast und die gotische Kapelle gehen auf diese Zeit zurück. In dieser Zeit wurde auch das Rosengärtlein errichtet.
Die Burgruine ist heute ein beliebtes Ausflugsziel und werden stest Ausstellungen präsentiert und Veranstaltungen angeboten.
Sagen um Aggstein (Quelle: Wikipedia)
Hadmar und die eiserne Kette
Hadmar III. von Kuenring soll mittels einer eisernen Kette, die über die Donau gespannt wurde, flussabwärts fahrende Schiffe gekapert haben. Als dies Herzog Friederich zu viel wurde, wollte er die Burg stürmen. Diese widerstand aber allen Angriffen. So bediente er sich einer List. Ein Kaufmann namens Rüdiger aus Wien wurde von Hadmar schon mehrmals überfallen. Dieser wurde nach Regensburg gesandt. Dort rüstete er ein starkes Schiff aus. Oben mit wertvoller Fracht, unten mit schwer bewaffneten Soldaten beladen, fuhr es die Donau hinab. Von Schönbühel aus wurde ein Schiff mit reicher Beladung nach Aggstein gemeldet. Das Schiff wurde angehalten. Die reiche Fracht lockte Hadmar selbst zum Schiff. Als er es betrat, wurde er von den Soldaten überwältigt. Daraufhin legte das Schiff gleich ab und fuhr mit dem Gefangenen nach Wien zum Herzog. Die herrenlose Burg wurde bald darauf eingenommen. Der Herzog schenkte Hadmar das Leben und die Freiheit, jedoch wurde er verpflichtet, alles geraubte Gut zurückzugeben und sämtliche Schäden gutzumachen. Wenige Jahre später soll er auf einer Pilgerreise nach Passau in einem kleinen Dorf an der oberen Donau verstorben sein.
Jörg Scheck von Wald und das Rosengärtlein
Die bekannteste ist jene, die vom Rosengärtlein handelt. Es handelte davon, dass Jörg Scheck seine Gefangenen jeweils auf die Steinplatte, die als Balkon von der Burg ragte, hinaussperrte, so dass sie nur verhungern oder in den Tod springen konnten. Die Ausgesperrten erinnerten Scheck immer an Rosen, von dem der Name Rosengärtlein stammt. Zweimal konnten sich jedoch Gefangene durch einen Sprung in umliegende Baumkronen retten. Beim zweiten Mal fingen die Glocken aus dem Tal so laut zu läuten an, dass Scheck davon wahnsinnig wurde und dadurch leicht von Georg von Stain besiegt werden konnte.
Burgruine Dürnstein
Dürnstein liegt als einer der bekanntesten Weinorte westlich von Krems am nördlichen Ufer der Donau und erlangte 1347 das Stadtrecht. Es bietet neben einer Reihe von touristischen Attraktionen auch die auf einem Felsen über der Stadt liegende Burgruine Dürnstein.
Wie schon im Kapitel „Geschichte“ angeführt, hat Hadmar I. die Burg Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut. Noch heute sind die Burg und die Stadt durch eine Wehrmauer (eine verlängerte Stadtmauer) verbunden. Der innere Burghof lag ehemals oberhalb der Kapelle. Darin befand sich ein riesiger Felsblock, in den ein Felskeller gehauen wurde.
Weit über die Grenzen der Wachau und des Landes bekannt ist die Burg Dürnstein durch die Gefangennahme von König Richard Löwenherz von Dezember 1192 bis Februar 1194. Der edle Ritter wurde auf der Heimkehr vom dritten Kreuzzug angeblich in einem Gasthof bei Erdberg, einem Vorort von Wien, entdeckt. Die Legende besagt, dass er mit seinem Gefolge dort im Gegensatz zu anderen Pilgern auffiel und ihm letztlich sein Siegelring zum Verhängnis wurde. Herzog Leopold V. initiierte die Gefangennahme durch Hadmar II., woraufhin die Auslieferung an den deutschen Kaiser Heinrich VI. erfolgte. Es wurde letztlich – neben einer Reihe von Bedingungen - eine ungeheure Lösegeldsumme verlangt und eingehoben, die unter anderem von Leopold V. für die Gründung von Wiener Neustadt verwendet wurde. An der Aufbringung des Geldes soll der Geschichte nach auch Robin Hood im englischen Sherwood Forest beteiligt gewesen sein.
Wechselnde Besitzer aus verschiedenen Geschlechtern bauten die Burg immer wieder auf und nutzten sie als Festung gegen feindliche Angriffe. Die Schweden eroberten Mitte des 17. Jahrhunderts in der Endphase des dreißigjährigen Krieges Dürnstein und sprengten beim Abzug Teile der Burg. Bald war das „Burghaus“ nicht mehr bewohnbar und endgültig dem Verfall preisgegeben.
1882 wurde von Fürst Camillo Starhemberg die Starhemberg-Warte oberhalb von Dürnstein errichtet und auch ein Zugangsweg angelegt. (Die Starhembergs waren ein sehr einflussreiches oberösterreichisches Adelsgeschlecht, die bis ins 20. Jahrhundert als Besitzer aufschienen.)
Heute ist die Ruine ein Wahrzeichen des Wachauer Landschaftsbildes und kann man sie auf einem bequemen Fußweg erreichen. Herrliche Ausblicke in Talschaft der Wachau und der Donau entlang sind sehr beeindruckend. Weithin sichtbar lädt sie zu einem Besuch in Dürnstein ein.
Ruine Hinterhaus bei Spitz
1243 wurde die auf einem Felsrücken des sogenannten Hausrückens (einem Teil des Jauerlings) erstmals erwähnt. Es können drei voneinander abgeschlossene Teile erkannt werden: der nordöstliche, niedrigere Teil als Vorburg, die Hauptburg und die südwestliche Vorburg.
Als Erbauer gelten die Formbacher, ein aus der Gegend von Passau stammendes Adelsgeschlecht, das Mitte des 12. Jahrhunderts ausstarb. Im 13. Jahrhundert wurde die Burg von den Bayerischen Herzögen an die Kuenringer übertragen, welche die Herrschaft jedoch von Burggrafen verwalten ließen. In dieser Zeit diente sie als Verwaltungsmittelpunkt und zur Kontrolle des Donautals. Nach Besitzwechseln wurde die Burg zu Beginn des 15. Jahrhunderts eingenommen und zerstört, bald danach wieder aufgebaut und letztlich jedoch zu Ende des 15. Jahrhunderts zerstört und nicht mehr bewohnt.
In der folgenden Zeit war neben der Hauptburg auch die südwestliche Vorburg durch Angriffe nicht mehr bewohnbar und litt durch die Kriegsgeschehen der Jahrhunderte so sehr, dass nur mehr erforderliche Erhaltungsmaßnahmen seitens der Marktgemeinde Spitz als Besitzer durchgeführt werden.
Radfahren, Schiff und Bahn
Durch die Erschließung der Wachau als Tourismusgebiet ist die Region nicht nur mit dem Auto als Reisemittel zu durchqueren, auch andere Transportmittel wie Schiff und Bahn sind besonders reizvolle Alternativen, welche die Besucher auch zahlreich nutzen. Ganz abgesehen davon, dass der speziell angelegte Radwanderweg gut ausgebaut ist und beidseitig der Donau entlang führt.
Neben den Brücken bei Melk und Krems stehen den Besuchern auch noch die Flussfähren zur Verfügung, welche das Pendeln zwischen den Ufern vielerorts ermöglicht.
5. Radfahren
Der Besuch der Wachau mit dem Fahrrad ist vor einigen Jahren durch einen geschützten, durchgängigen Radweg von Melk bis Krems bequem möglich und wird jährlich immer bedeutungsvoller für Wirtschaft und Tourismus.
Die Strecke durch die Wachau ist zB ein Bestandteil des stark beworbenen Radweges von Passau bis Wien. Die Radstrecke durch die Wachau führt abseits der Autostrasse ohne größere Steigungen. Ideal auch für Familien und ältere Radfahrer von West nach Ost – oder umgekehrt.
Eine große Zahl der Radwanderer fahren mit der Bahn oder dem Schiff stromauf- und mit dem Fahrrad stromabwärts. Bei dieser Variante öffnet sich die Möglichkeit, der Wachau einen intensiven Besuch abzustatten und dabei die Kulturangebote und Gastronomie zu genießen.
Wer sich dazu entschließt, eine „Tour ins Blaue“ zu wagen, findet in den einzelnen Orten der Region eine Vielfalt zum Verbleiben. Hotels, Gasthöfe und Pensionen laden zum Verweilen ein. Die Orte sind attraktiv und schön gestaltet und beeindrucken durch ihre Baukultur.
6. Schiff
Wer etwas mehr Zeit für seine Kurzreise aufbringt, kann die Wachau mit dem Schiff bereisen. Ein ganz besonderes Erlebnis.
Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Die „Kurzversion“ ist jene, wo im Zuge einer längeren Donaureise mit Schiff die Wachau passiert und betrachtet werden kann. Manche Gesellschaften machen in etlichen Orten eine Fahrtunterbrechung, wo man einem ein wenig das Flair der Wachau in Erinnerung behält.
- Österreichische Schifffahrtsunternehmen bieten zB spezielle Wachaufahrten von Linz nach Wien (und/oder retour) an, wo die Besucher öfter die Möglichkeit bekommen, an Land zu gehen.
- Wer die Wachau lediglich per Schiff bereisen möchte, bedient sich am besten der regionalen Schiffsbetreiber, die über ein reichhaltiges Sortiment an Möglichkeiten verfügen. Darüber hinaus werden in der Jahressaison (April bis Oktober) sogenannte „Themenfahrten“ angeboten.
- Details dazu finden sich auf der Internetseite www.schifffahrt.at sowie in allen gut sortierten Reisebüros.
Somit kann jeder für sich und seinen zeitlichen Möglichkeiten wählen und die Wachau aus anderem Blickwinkel geniessen.
7. Bahn
Ob als Teil eines Wachaubesuches oder ganz speziell geplant, bietet sich eine Fahrt mit der Wachaubahn als Ausflug optimal an. Gerade im heurigen Jahr feiert diese Bahnstrecke ihr 100-jähriges Jubiläum und bietet dazu natürlich neben Sonderfahrten auch Ausstellungen an mehreren Orten. In Spitz ist im Schifffahrtsmuseum vom Modellbahnclub Wachaus speziell für dieses Jubiläum eine Modulanlage errichtet worden, welche auf drei Ebenen die Wachaubahn darstellt. Mit dem Spiegeleffekt wirkt die Landschaft fast wie in dreidimensionaler Form.
Franz Xaver Riepl (1790 – 1857) war Bergbau- und Eisenbahnfachmann und erstellte 1829 die ersten Pläne für ein Eisenbahnnetz. Doch brauchte es neben der Errichtung der Hauptverkehrsstrecken noch viele Jahrzehnte und Bemühungen der Einheimischen, um die Strecke per Bahn fahren zu können. Immer wieder wurden Initiativen der Bevölkerung von Seiten der Regierung abgelehnt. Schließlich setzte sich 1895 der damalige Bürgermeister von Spitz, Carl Jedek, mit seinen Kollegen von Krems und Grein neuerlich intensiv für den Bahnbau ein. Eine Bedarfserhebung der einzelnen Gemeinden mit ihren wichtigsten Transportgütern und die Gründung einer Aktiengesellschaft für den Bahnbau waren die ersten Schritte. Auch die Länder Niederösterreich und Oberösterreich beteiligten sich an der Aufbringung der finanziellen Mittel. Die Bürgermeister räumten ebenso die Bedenken von Grundbesitzern beiseite, welche Nachteile durch den Bahnbau befürchteten.
So konnte 1907 mit dem Bau begonnen werden, welcher am 4. Dezember 1909 die Inbetriebnahme der 77 km langen Lokalbahnstrecke ermöglichte.
Vor Baubeginn beauftragte die anthropologisch/prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien Grabungen in Willendorf. Am 7. August 1908 wurden diese durch den Fund der Venus von Willendorf in einem Lehmklumpen während der Arbeiten im Stationsbereich Willendorf reichlich belohnt (siehe auch den Bericht in der Rubrik „Geschichte“).
Seit 100 Jahren kann man nun die Wachau bequem mit der Bahn durchfahren und so die reizvolle Region bequem erkunden. Man fährt durch terrassenförmige Weingärten entlang der Donau, sieht die Städte und Dörfer sowie die Stifte und Burgen.
Die Wachaubahn wird von den ÖBB betrieben und fahren verschiedene Zugsgarnituren von Krems bis Emmersdorf als Erlebniszug und retour. Oder der normale Zugsverkehr gleichfalls von Krems bis Spitz und zurück.
Besondere Zugsfahrten werden auch angeboten über die Strecke der Wachau hinaus, welche dann bis nach Oberösterreich führen. Als Sonderzugsfahrten Wachau sind diese Fahrten zu bestimmten Zeiten im Reiseangebot.
8. Stifte und Klöster
alle Fotos (c) Roland H. Handl
Das Stift Melk ist wohl ebenso durch seine Lage als auch durch seine imposante Erscheinung beeindruckend. An der Donau flussabwärts gesehen ist es ein Blickfang für die Stadt, die Region und den Beginn der Wachau.
Das langgestreckte, gelbfarbene Barockbauwerk lockt viele Besucher an – durch das pompöse Erscheinungsbild ebenso wie durch seine Geschichte. Dadurch profitieren sowohl die wirtschaftlichen Betriebe von Melk und deren Umgebung direkt als auch der Fremdenverkehr in der Region Wachau.
Viele Radfahrer zum Beispiel, die das Donautal flussabwärts fahren, machen hier Station. Sie besichtigen das Kloster, durchstreifen die Stadt und laben sich an den zahlreichen kulinarischen Angeboten.
Im Folgenden wird auf die Geschichte, die Architektur und einzelne Teile des Stiftes eingegangen. Ein derart gigantisches Bauwerk mit ebensolcher Geschichte verlangt es, dass die Ausführungen etwas umfangreicher gestaltet sind als bei anderen Bauwerken. – Dennoch: es lohnt sich, zu lesen und zu erfahren! In der Literatur über bedeutende Bauwerke sowie im Internet erfahren Wissenshungrige und Neugierige mehr über die gesamte Stiftsanlage.
Geschichte
Zu Beginn des 11. Jahrhunderts war Melk ein Machtzentrum der Babenberger in der Mark Ostarrichi (Österreich). Zu dieser Zeit war Melk nicht nur die bevorzugte Grabstätte der Babenberger sondern auch seit dem 13. Oktober 1014 jene des Heiligen Koloman (siehe Legende 4 in der Rubrik Land und Leute). In der Melker Stiftsbibliothek deuten Handschriften darauf hin, dass bereits unter Markgraf Leopold I. (940-994) eine Priestergemeinschaft, ein sogenanntes Pfalzstift am Ort betrieb.
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten entstanden in der Mark Ostarrichi neue Zentren und Melk verlor dadurch an Bedeutung. Als Grabstätte der Babenberger blieb es jedoch erhalten. Als Gründer des heutigen Stiftes auf dem Felsen oberhalb der Stadt und der Donau kann Markgraf Leopold II. (1050-1095) genannt werden. Er gewährte Bischof Altmann aus Passau Asyl, welcher wegen seiner Papsttreue vertrieben wurde. Der Einfluss des Bischofs für die Errichtung des Klosters wird vermutet und zogen am 21.3.1089 Benediktinermönche und ihr Abt Sigibold in das neue Kloster ein.
1122 erhielt das markgräflich gegründete Kloster eine Exemtion: Dies bedeutete eine Eigenständigkeit bezüglich der kirchenrechtlichen Zuständigkeit und die gleichzeitige Unterstellung einer höheren Obrigkeit (bestimmte Hoheitsträger oder der Papst direkt). Das Stift Melk unterstand direkt dem Papst und erhielt wahrscheinlich eine Reihe von Besitzungen, um wirtschaftlich existent bleiben zu können.
Zu erwähnen ist, dass das Stift eine eigene Schreibstube betrieb. Daraus ist zB aus dem 13. Jahrhundert eine Reihe von Handschriften mit zum Teil farbigen Miniaturen erhalten. Bereits aus dem Jahr 1160 dokumentiert eine voll ausgeprägte klösterliche Schule ihren Betrieb.
Der 14.8.1297 war ein schicksalhafter Tag für das Kloster Melk: Ein verheerender Brand zerstörte das Kloster, die Kirche und alle Nebengebäude. Aus der Bibliothek gingen die meisten Schriften und historischen Quellen zugrunde.
Trotz der Tatsache, dass das Kloster Melk dadurch an den Rand des Ruins geriet, erreichte Abt Ulrich II. (1306-1324), dass sowohl das Kloster als auch die Wohngebäude notdürftig wieder aufgebaut wurden. Im 14. Jahrhundert darbte das Kloster wegen Pest, Missernten und dem Schisma (Päpste - Gegenpäpste) dahin.
Erst Herzog Rudolf IV. schenkte 1362 dem Kloster eine hoch geschätzte Reliquie, nämlich einen Splitter vom Kreuz Jesu Christi – das Melker Kreuz. Daneben baute er das Grab des Heiligen Koloman zu einem prunkvollen Hochgrab aus, welches später dem barocken Neubau zum Opfer fiel.
Das 15. Jahrhundert begann für das Stift mit Überschuldung, Streit und Zerrüttung. Bereits 1418 zeichnete sich ein Lichtblick ab, als Abt Nikolaus Seiyringer – zuerst als Visitator vom Konzil nach Melk entsandt – als Abt eingesetzt wurde.
Eine breite Klosterreform wurde zum Ausgangspunkt wurde zum Fundament für weitreichende Schritte in der näheren und weiteren Stiftsumgebung.
Weitere Schwierigkeiten durch länderübergreifende Probleme setzten dem Kloster zu. Letztlich führten die Kämpfe gegen die Türken zu einem totalen Fiasko – lediglich 3 Patres, 3 Kleriker und 2 Laienbrüder blieben dem Stift erhalten – es stand vor der Auflösung.
Entspannung bahnte sich an, als 1564 Urban Pentaz als Abt nach Melk berufen wurde. Nach anfänglich harten Konflikten mit weltlichen Offizialen (kirchlichen Rechtssprechern) erreichte er die offizielle römische Bestätigung als Abt. Ein wirtschaftlicher Neubeginn mit vielen jungen Männern aus Süddeutschland erwirkte das Wiederaufleben des Klosters.
In der Folge wurde durch die Nachfolger von Urban Pantaz der neue Aufschwung fortgesetzt und konnte gefestigt werden. Der Dreißigjährige Krieg und Türkenbedrohung konnten dem Kloster letztendlich nicht schaden und wurden Besitztümer revitalisiert. Schließlich sind aus dieser Zeit viele Melker Mönche in andere Klöster als Äbte entlassen worden. Das Kloster hatte allen Widerständen standgehalten und konnte als regionales Zentrum der Gegenreformation gelten.
Als Abschluss der jahrhundertlangen Umbrüche kann angemerkt werden, dass dem wirtschaftlichen auch der literarische und wissenschaftliche Aufschwung folgte. Namhafte Persönlichkeiten (Johannes Zeller, Philibert Utz, Philibert Hueber, Anselm Schramb) lebten, forschten und schrieben in ihrer Zeit in Melk. Nach Erweiterung der Klosterschule Melk ist diese als Jesuitenschule namhaft organisiert.
Das Kloster im barocken Zeitalter
Den einschneidenden Beginn der barocken Umbauten setzte Abt Berthold Dietmayr, welcher am 18.11.1700 zum Abt gewählt wurde. Seine Motive zum Umbau waren die, das Kloster durch die religiöse, politische und geistige Bedeutung hervorzuheben. Durch Jakob Prandtauer (1616-1726) fand er einen Baumeister seines Vertrauens.
Nach anfänglichen Restaurierungsarbeiten wurde ehest beschlossen, die gesamte Stiftskirche neu zu erbauen. Bald darauf folgte der Beginn zum Neubau der gesamten Klosteranlage, dessen Plan aus dem Jahr 1711 stammt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1726 leitete Prandtauer die Bauten. Namhafte Künstler aus dem In- und Ausland waren an der Fertigung der Neuerungen beteiligt und schufen Ausgestaltungen und Fresken, welche noch heute bestehen.
1736 waren die Neubauten der Kirche und des Klosters soweit vollendet. 1738 jedoch ereilte das Stift eine neuerliche Brandkatastrophe, dabei wurden sämtliche Dächer, die beiden Türme und einige Repräsentationsräume beinahe völlig zerstört.
Nach widrigen Umständen – finanziell und politisch – konnte letztlich 1746 die neue Klosterkirche geweiht werden. Der Wiederaufbau kostete viel Kraft und Geld. Trotz alledem gedieh der wissenschaftliche und musikalische Aufschwung im 18. Jahrhundert. Um ein Bespiel zu nennen, waren die Brüder Bernhard und Hieronymus Pez wesentlich an wissenschaftlichen Arbeiten im Stift tätig.
Wieder waren nach den umfangreichen Aufbauarbeiten politische Einflüsse am Geschehen des Klosters weittragend: 1783 machte der österreichische Josephinismus (Josef II. setzte unter dem Leitsatz „Alles für das Volk; nichts durch das Volk“ seine Reformen ein, sie gelten als „Revolution von oben“ und verbinden ein fortschrittliches Anliegen mit dem Versuch, die Monarchie zu konsolidieren) Ansprüche auch am Kloster Melk geltend. So wurde dem Stift durch die kaiserliche Anordnung der Status als theologische Lehranstalt entzogen. Trotz vieler Einschränkungen wurde das Kloster dennoch nicht geschlossen. Erst nach Josephs Tod 1790 konnten die Bestimmungen aufgehoben und ein Abt, Isidor Payrhuber, gewählt werden.
Das Stift ab dem 19. Jahrhundert
Nach den weitgreifenden und langen Einflüssen des staatlichen Einflusses hatte das Stift in weiterer Folge unter der Macht des Bischofs von St. Pölten zu leiden. Erst 1804 konnte das Stiftsgymnasium wieder seinen Betrieb aufnehmen.
Die Napoleonischen Kriege brachten dem Stift neue steuerliche Belastungen, welche jedoch durch das Betreiben von Abt Marian Zwinger (1819-1837) gemeistert wurden. 1848 verlor das Stift mit der Revolution seine Grundherrschaft, diese wurde aber weitgehend abgegolten. Dieses Geld wurde für eine Generalsanierung sowie ein Gut in Marghita (heutiges Rumänien) aufgewendet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelangte das Stift unter Abt Alexander Karl eine wirtschaftliche Reform. Seiner Initiative verdankt die Wachau die charakteristischen Mostbäume, welche viele Landstraßen säumen. Ein Kindergarten in Melk sowie Grundstücke können ebenfalls verzeichnet werden. Viele Villen auf den Grundstücken zeugen noch heute von der damaligen Bautätigkeit und prägen das Stadtbild nachhaltig. Straßennamen – wie die Abt-Karl-Straße – sind Zeitzeugen aus der damaligen Zeit.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen umfangreiche Bauarbeiten am Stift: eine moderne Kanalisation, neue Wasser- sowie Lichtleitungen. Für all diese Maßnahmen mussten finanzielle Opfer erbracht werden. Das bei weitem bedeutendste in dieser Reihe ist sicher der Verkauf einer Gutenberg-Bibel 1926 an die Yale Universität.
Die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die nachfolgende Besatzung überstand das Kloster beinahe unversehrt. 1960 konnte die Fassade umfangreich renoviert werden.
1989 feierte das Kloster sein 900jähriges Bestehen mit einer einjährigen Ausstellung, welche von 1,1 Mio Menschen besucht wurde. Dennoch wurde in den 80er-Jahren klar, dass die umfangreichen und kostspieligen Renovierungen zu Kostenüberlegungen führen mussten. So wurde die Kartause Gaming 1983 verkauft, weil auch dort massive Instandsetzungen anstanden.
Sukzessive wurden und werden Innen- und Außenarbeiten durchgeführt, welche hauptsächlich neben den Erträgen aus Land- und Forstwirtschaft vor allem durch den Tourismus finanziert werden. Neben fundierten Führungen und dem Restaurant stehen dem Besucher der neu gestaltete Stiftsgarten sowie Parkplätze für Bus, Auto und Fahrrad zur Verfügung.
Architektur und Einrichtung
Stift Melk ist die größte Klosteranlage des österreichischen Barocks. Die Länge der Hauptachse beträgt 320 Meter, der Südflügel mit dem Marmorsaal ist mehr als 240 Meter lang. Namhafte Künstler und Architekten wirkten am und im Stiftsbau, zB der Barockmaler Paul Troger.
Die beiden etwas befremdlich wirkenden Bauteile an der Ostseite stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die südliche Bastei war in der Vergangenheit eine Wehranlage von 1650. Später wurde aus Symmetriegründen eine zweite Bastei errichtet. Die beiden Statuen zeigen den Heiligen Leopold und den Heiligen Koloman.
Der Gang über den Prälatenhof führt zur Kaiserstiege, den Aufgang zum Kaisertrakt, in dessen Räumen das Museum untergebracht ist. Durch den imposanten Marmorsaal, der als Fest- und Speisesaal für Gäste genutzt wurde, gelangt man auf die Altane (eine offene, auf Stützen oder Mauern ruhende Plattform im Obergeschoß eines Gebäudes).
Einer der wohl eindruckvollsten Räume des Stiftes ist die Bibliothek. Die Deckenfresken aus dem 18. Jahrhundert, das dunkle Holz mit Intarsienarbeiten und die goldbraunen Buchrücken bestimmen das harmonische Raumerlebnis. Hier sind etwa 1800 Handschriften seit dem 9. Jahrhundert zu finden. 1997 wurde ein Fragment einer Abschrift des Nibelungenliedes aus dem 10./11. Jahrhundert gefunden. – Insgesamt stehen in dieser Bibliothek rund 100.000 Bände. Die Bibliothek ist verdunkelt, damit das Sonnenlicht die Schriften nicht beschädigt.
Die Stiftskirche ist Wahrzeichen der Stadt Melk und eine der schönsten Barockkirchen Österreichs. Sie ist den Heiligen Peter und Paul geweiht, das Geläut besteht aus fünf Glocken. Jede davon hat einen Namen und bestimmte Zeiten, an den sie geläutet wird. Der Innenraum ist mit zahlreichen Wand- und Deckenfresken, Altären und Orgeln bestückt.
Bereits seit dem 12. Jahrhundert betreibt das Stift Melk eine Schule, nämlich das „Öffentliche Stiftsgymnasium der Benediktiner in Melk“. Wenn auch die Internatsschüler durch den Wandel der Zeit immer weniger wurden, so gibt es zahlreiche Schüleraustausch-Programme mit ausländischen Schulen (zB Minnesota), welche die Räumlichkeiten in Anspruch nehmen. Das Gymnasium legt seine Schwerpunkte auf Griechisch und Französisch. Das Oberstufenrealgymnasium auf Instrumentalunterricht, Unterricht in bildnerischer Erziehung und auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Knapp 1000 Schüler und etwa 20 Austauschschüler (aus Deutschland, den USA, Tschechien, Ungarn und Großbritannien) nehmen am Unterricht teil.
Gewusst?, dass …
- das Stift mit 1365 Fenstern das Gebäude mit den meisten Fenstern Österreichs ist?
- das Stift Melk auf der Rückseite der 50-Schilling Banknote aus 1951 zu sehen ist?
- der Beginn und das Ende des Romanes „Der Name der Rose“ von Umberto Eco rund um die Figur des Adson von Melk dort spielen?
- im Keller eines Hauses der Innenstadt ein Geheimgang münden soll, der höchstwahrscheinlich zum Stift führt? Der Gang wurde angeblich zu früheren Zeiten dazu benutzt, um unerkannt „am weltlichen Leben“ teilzunehmen.
09-09

(c) furth-goettweig.gv.at (c) www.niederösterreich.at (c) heiligenlexikon.de
Vom Stift Göttweig habe ich leider noch keine eigenen Bilder, deshalb informativ die Bilder aus dem Web eingefügt mit dem Hinweis der Urheberrechte der Bezugsquelle.
Stift Göttweig
Das Stift „thront“ auf dem Göttweiger Berg nahe dem gegenüberliegenden Donauufer von Krems und ist ein Benediktinerkloster, das der Österreichischen Benediktinerkongregation (= der Organisation bzw der Zusammanschluß von katholischen Organisationen, zB Klöstern) angehört.
2000 wurde es als Teil der „Kulturlandschaft Wachau mit den Stiften Melk und Göttweig und der Altstadt von Krems“ in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
Der Name Göttweig wird sprachkundig mit „von den Göttern geweiht“ erklärt.
Geschichte
Der Göttweiger Berg ist seit etwa 2000 v. Chr. besiedelt, was sich durch Funde beim heutigen Stift belegen lässt. Im Jahr 1072 ist nach einer 600jährigen Siedlungsunterbrechung die Weihe einer ersten Kirche (zu Ehren der Hl. Erentrudis, einer aus Worms stammenden Äbtissin, die die Schutzpatronin von Salzburg ist und zwischen 650 und 718 lebte) zu verzeichnen.
Das Chorherrenstift wurde von Bischof Altmann von Passau errichtet und ist urkundlich mit 9.9.1083 datiert. Darin ist auch die Seelsorgeaufgabe in einer Reihe von Pfarren genannt, welche auch unter den Benediktinern bestehen blieb, denen 1094 unter Bischof Ulrich I. von Passau das Stift übergeben wurde.
Aus dieser Zeit sind heute nur noch das Langhaus, die Erentrudiskapelle und die „Burg“ erhalten. Der Chor der Stiftskirche samt Krypta, Sakristeien und Flügel des Kreuzganges stammen aus der spätgotischen Bauepoche des 15. Jahrhunderts. Damals wurde das Stift Herzogenburg urkundlich exemtioniert, was eine Eigenständigkeit bezüglich der kirchenrechtlichen Zuständigkeit und der gleichzeitigen Unterstellung einer höheren Obrigkeit (bestimmte Hoheitsträger oder der Papst direkt) bedeutete.
Bis zum 16. Jahrhundert kämpfte das Stift mit dem wirtschaftlichen und personellen Niedergang, den die Türkengefahr, die Reformation, ein Großbrand 1580 sowie die darauffolgende Pestepidemie noch verschärften. Dennoch konnte die endgültige Schließung abgewendet und das Stift zu Beginn des 17. Jahrhunderts geordnet an Abt Georg Falb übergeben werden. Dieser zeichnet sich verantwortlich für die Gründung der Österreichischen Benediktinerkongregation und für die Gegenreformation.
Nach einem neuerlichen Brand von 1718 wurde der Neubau nach Plänen des bekannten Hofbaumeisters Johann Lucas von Hildebrandt (Erbauer zahlreicher Kirchen, Schlösser und Paläste auch in Wien, zB Oberes Belvedere) vorangetrieben. Nach immer schleppenderem Baufortschritt wurden die Arbeiten schließlich nach 1750 nach Umsetzung von etwa zwei Drittel des Bauplanes eingestellt.
Unter Josef II. konnte ein Anwachsen der Seelsorgestellen von 20 auf 31 verzeichnet werden. Namhafte Wissenschafter des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts sowie Äbte als Historiker wirkten auf Stift Göttweig.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde das Stift enteignet und zeitweise als Nationalpolitische Erziehungsanstalt genutzt. Danach wurde es verwüstet und zur russischen Garnison. Nach dieser Zeit und aufgrund mangelnden Eintrittes drohte dem Kloster die Aufhebung. Dennoch gelang es dem Abt Wilhelm Zedinek von 1949 bis 1971, den Wiederaufbau zu betreiben. Sein Nachfolger, Abt Clemens Lashofer wirkte bis zu seinem vor kurzem Ableben und fällt in seine Amtszeit eine ständige Renovierung der Stiftsanlage.
Am 6.7.2009 verstarb Clemens Lashofer und dauerte es doch einige Wochen, bis ein würdiger Nachfolger gefunden werden konnte. Dies geschah am 14.8.2009 und wurde Columban Luser zum neuen Abt gewählt.
Beschreibung
Wegen seiner Lage auf einem Hügel wird das Stift Göttweig als österreichisches Montecassino (ein Benediktinerstift aus dem 6. Jahrhundert, zwischen Rom und Neapel auf einem 516 m hohen Hügel gelegen).
Johann Lucas von Hildebrandt bediente sich bei der Planung von Göttweig im Grundriss dem Vorbild des „Escorial“ (das königliche Schloss St. Laurentius von El Escorial, eine Schloss- und Klosteranlage aus dem 16. Jahrhundert in der Region Madrid; gilt als größter Renaissancebau der Welt – siehe Wikipedia). Die Bauform eines Gitterrostes mit der Hauptachse (Ost-West) beherbergt die Stiftskirche, den Kapitelsaal und die Bibliothek. Im Osttrakt befinden sich die meisten Mönchszellen, im Nordtrakt liegen das Museum, das Archiv und die beiden Refektorien („Speisesäle“ in Klöstern).
Aus den Ursprüngen der Klosteranlage und von Hildebrandt nicht in die Ausbauten integriert stammen die Erentrudiskapelle sowie die sogenannte „Burg“. Letztere befindet sich im Süden des Stiftshofes und diente ursprünglich Verteidigungszwecken (vier massige Rundtürme sowie ein Wassergraben), danach für Werkstätten und Wohnungen und schließlich als Herberge einer graphischen Sammlung. Genutzt werden die Räume jetzt auch vom Zentrum für Bildwissenschaften der Donau-Universität Krems.
Im Kaisertrakt befindet sich ein Museum mit jährlich wechselnden Themenschwerpunkten. Daneben stehen die Fürsten- und Kaiserzimmer sowie andere derartige Räume für die Objekte der Göttweiger Sammlung zur Verfügung.
Die Kaiserstiege im Nordwesten des Stiftshofes führt über drei Geschoße und wurde 1739 von Paul Troger (1698-1762, österreichischer Maler des Rokoko) mit einem Deckenfresko versehen.
Auch die Stiftskirche beherbergt Werke von namhaften Künstlern des Romanischen, des Barock und der Gotik.
Die Hauptaufgabe der 50 Mönche der Abtei ist die Pfarrseelsorge in den zahlreichen Pfarren der Umgebung. Daneben stehen Aufgaben der schulischen Art sowie ordensinterne Funktionen und wissenschaftliche Arbeiten an.
Der Besuch der Stiftsanlage bietet somit nicht nur kulturelle Bereicherung sondern auch einen einzigartigen Blick ins Donautal und die Wachau. Wer genügend Kultur „getankt“ hat, kann sich im stiftseigenen Restaurant laben.
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